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Unsere Philosophie

Warum Physiotherapie?

Nach der Geburt meiner Tochter 2004 bin ich das erste Mal enger mit dem Gebiet der Physiotherapie in Kontakt gekommen. Wegen muskulärer Störungen und somit vermehrter kindlicher Unruhe und Schreiattacken wurden wir von der Kinderärztin zu einer Physiotherapie mit dem Schwerpunkt Bobath-Therapie überwiesen. Neben den therapeutischen Sitzungen wurden meine Frau und ich von der Bobath-Therapeutin angehalten, die Übungen zu Hause fortzusetzen. Beim Anwenden der Techniken über einen längeren Zeitraum bemerkte ich die positiven Auswirkungen der Bobath-Therapie auf einen drei Monate alten Säugling. Meine Tochter wurde ruhiger, ausgeglichener und beweglicher. Neben meinem Interesse am Funktionieren des menschlichen Körpers und meiner Begeisterung für Sport führten diese Momente mit meinem Kind dazu den Beruf zu ergreifen.

Warum neuroorthopädisch?

Aus meiner Erfahrung im Bereich der Orthopädie und meiner späteren Spezialisierung auf dem Gebiet der Neurologie (Bobath-, N.A.P.-Therapie) stelle ich immer wieder fest, dass diese beiden Gebiete ineinander übergreifen. Ein orthopädischer Patient mit leichter Kniearthrose (Gonarthrose) kann eine Schonhaltung einnehmen, die das Gehirn unbewusst abspeichert und automatisiert. Die Ansteuerung der Muskulatur wird zur Schmerzlinderung asymmetrisch ausgeführt. Manualtherapeutisch wurde das Gelenk mobilisiert und die Muskulatur gekräftigt. Das Gelenk kann eigentlich schmerzfrei belastet werden. Aber durch die Manifestierung der Schonhaltung im Gehirn und wegen der Ängste des Patienten vor erneuten Schmerzen sendet das Gehirn weiterhin Impulse zum Einnehmen der Schonhaltung. Dies kann zu einer weiteren Schädigung anderer Strukturen des Körpers (Wirbelsäule, Hüftgelenk bis zum oberen Kopfgelenk) führen. In der Therapie wird zuerst versucht, in Situationen die dem Alltag der Patienten ähneln, die Angst und die Unsicherheit des Patienten vor dem Ausführen der Bewegungen zu nehmen. Durch die aktive Beteiligung des Patienten und Impulsgabe des Therapeuten erfährt dieser seine Schmerzfreiheit.

Diese positive Erfahrung führt durch Wiederholungen dazu, dass das Gehirn die Schonhaltung sozusagen wegradiert und die eigentlichen physiologischen Bewegungen wieder automatisiert und manifestiert. Auf der anderen Seite können bei einem neurologischen Patienten (Schlaganfall, Bandscheibenvorfall, Nervenkompression) motorische Ausfälle bzw. Fehlansteuerung der Muskulatur entstehen, welche erneut zu unphysiologischen Bewegungsabläufen respektive Fehlbelastung der Gelenke führen können. Bei einer zu späten Behandlung des Patienten kann es zu einem Verschleiß in den Gelenken und folglich zu Schmerzen kommen.

Neuroorthopädische Therapie bei Säuglingen und Kindern

Als Beispiel kann ein Kind mit Knick-Senk-Fuß oder X-Beinen herangeführt werden. Neben dem genetisch bedingten Krankheitsbild kann ein Knick-Senk-Fuß auch aufgrund einer zu spät behandelten bzw. unbehandelten Tonusstörung zwischen der vorderen und hinteren Muskelkette des Körpers entstehen. Viele Säuglinge zeigen eine starke Hyperextension (Überstreckung). Ein unbewusst falsches Tragen des Babys kann dieses Muster noch unterstützen. Durch diese permanente Überstreckung bleibt eine Aktivierung der vorderen Muskelkette (z.B. Bauchmuskulatur) fast vollständig aus und es kann zu motorischen bzw. strukturellen Einschränkungen in den Gelenken (Hüftgelenk, Wirbelsäule) und folglich zu Entwicklungsverzögerungen (Drehen von Rücken auf den Bauch, Hand-Fuß-Koordination, Krabbeln) kommen. Wird diese Tonusstörung nicht ausgeglichen (Tonusregulation), können im Kindergarten und Schulalter Defizite in der Koordination bzw. in der selektiven Bewegung auftreten. Die Muskulatur der Beinachsen wird ungleichmäßig angesteuert und das Kind kann eine Position einnehmen, welche X-Beine bzw. einen Knick-Senk-Fuß begünstigt. Über das motorische Lernen wird versucht, den Tonus auszugleichen und eine zeitgemäße Entwicklung herbeizuführen.

Wir arbeiten nicht an Ihrem Kind, sondern mit Ihrem Kind.
(Wasi Behzad)